Der Sinn oder Unsinn einer weiteren Diät mag zweifelhaft sein und das “Produkt” auf Widerstände stoßen. Es könnte so scheinen, als habe die Portionsdiät (PD) keinen tieferen Sinn, passe nicht zum Zeitgeist und außerdem und überhaupt…
Solcher Skepsis, solchem Zweifel gegenüber ist die Sinnfrage angebracht, die ja auch den Sinn dessen, was ich momentan als meine Aufgabe betrachte, in Frage stellen könnte.
Schopenhauer hatte in der Sinnfrage auf die Philosophie und den Intellekt gesetzt. Warum es wichtig ist, nicht der Langeweile und dem Glücksspiel zu verfallen, sondern sich selbst und andere zum inneren Reichtum anzuhalten;
Sich selbst einem selbst aussetzen, sich nicht verlieren. Nicht ein „bloß praktische(s), bloß auf persönliche Wohlfahrt gerichtete(s), bloß eines Zuwachses in der Länge, nicht in der Tiefe fähige(s) Leben“ führen.
Das Gejammer ums Übergewicht, die Fitness- und Wellness-Sucht sind sicherlich oberflächlich, und im Alltag wird oft “eine gewisse Lebensfreude” vermisst, in Gesprächen ist zu hören, dass es viel Stress und Arbeit, aber wenig Lebensfreude gibt. Wo bleibt das Glück?

Glück und Lebensregeln
Im “Glücksarchiv”, der Website zum Thema “Glücklich sein” von Karl Kreichgauer geht es um Glücksrezepte, Achtsamkeit, Meditation, aber auch Lebensregeln werden vorgestellt. Unter anderem die Lebensregeln des Dalai Lama, darunter die Aufforderung, sich auch dem Kochen “mit wagemutiger Sorglosigkeit.” zu widmen; was eine schöne Herangehensweise ist, bei der Rezepte eigentlich nur dazu dienen sollten, zu zeigen, wie einfach es sein kann, eigene Rezepte zu entwickeln.
Um noch mehr Lebens-Sinn geht es bei diesem Zitat:
Teile Dein Wissen, so erlangst Du Unsterblichkeit.
Der Dalai Lama spricht hier ganz allgemeinverbindlich die kulturelle Kontinuität an: Alleine, dass wir denken, ist dem Wissen der Menschheit zu verdanken, die eine Sprache entwickelt hat, die mit ihren Worten und Grammatikregeln die Voraussetzung der Gedanken darstellt. Keine Kultur ohne die Weitergabe von Wissen, und ohne Kultur herrscht Barbarei, Raub, Krieg, Sklaverei – so einfach ist das.
In der heutigen Zeit werden alte Kulturen etwas verächtlich betrachtet; die Griechen hätten ein altmodisches Weltbild mit nur vier Elementen gehabt, wir aber beherrschten sogar die Kernspaltung und somit ganz viele Elemente und Elementarteilchen. Aber ist die Formel e=mc² wertvoller als das a²+b²=c²?
Das “moderne Wissen” ist oft nicht mehr wert als ein schlechter Aberglaube. Eine ganze Generation wurde in den Schrecken versetzt, dass Eigelb die Cholesterinwerte verschlechtert und zu Schlaganfall und Herzinfarkt führt. Auf der anderen Seite werden bei der Lebensmittelverpackung Nanopartikel eingesetzt, man beschäftigt sich “mit möglichen unerwünschten Wirkungen … im menschlichen Körper” (Quelle) und hat Anlass zur Sorge (Quelle), spricht aber bei konkreten Gefährdungen von “abstrakter Gefahr”.

Weisheit und altes Wissen
Das “alte Wissen” wird unterschätzt. Wir sind nicht in der Lage, das wenige, was von Pythagoras als pythagoreisches Gedankengut überliefert ist, zu interpretieren. Es wird angenommen, dass der Vegetarismus auf ihn zurückgehe, weil er an eine unsterbliche Seele geglaubt hätte.
Das längste Zitat, das Pythagoras’ Lehre betrifft, finden wir bei OVID in den Metamorphosen und bezieht sich wiederum auf Verwandlungen, vielleicht auf Seelenwanderung. Die Unsterblichkeit wiederum beanspruchte auch OVID mit einem ähnlichen Gedanken wie dem des Dalai Lama, für die Dichter. Und er erklärte, dass Kultur sich vom (religiösen) Kultus ableitet, zur Verfeinerung der Sitten beigetragen habe, auch wenn die Götter bloß Erfindungen sind – aber nützliche Erfindungen, in einer gewissen Weise. Das antike Weltbild war also recht aufgeklärt, zumindest bei der geistigen Elite, die den Unsinn von Tier- und Menschenopfern klar durchschaute.
Die antike Ernährungslehre müssen wir nach heutigen Maßstäben als fortschrittlich bewerten: Vor der Entfremdung des Begriffs “Diät”, der heute nur noch als irgendwie eingeschränkte, besonders beschränkte (Kranken-)Ernährung gehandelt wird, war unter Diät etwas ganz anderes zu verstehen, nämlich eine gesunde, ausgewogene Lebensführung. Diät ersteckte sich auf alle wesentlichen Lebensbereiche, insbesondere den psychisch-mentalen Bereich, das Gemüt. Diät war nicht so sehr eine Frage der Nährstoffzufuhr und Kalorienbilanz, aber dennoch eine Gleichung, bei der Arbeit und Ruhe, Wachen und Schlafen, Ausscheidungen und Absonderungen, Essen und Trinken und die Gemütszustände sich in einem – logischerweise dynamischen – Gleichgewicht befinden sollten. Wahrscheinlich nach dem Motto: “Alles zu seiner Zeit, alles im rechten Maße”.
Wer da einwenden möchte, das sei aber altmodisch, dem sei gesagt, das ist überhaupt nicht modisch, das ist zeitlos. Und wer das nicht glaubt, der kann ja den jeweiligen Lieblings-Diät-Papst um eine Audienz ersuchen.

Falsche Versprechungen und wirksame Diät
Das Problem, dass manche sich beim Essen, Trinken und Naschen nicht beherrschen können und schließlich unglücklich mit ihrer Figur sind, kann auch die Portionsdiät nur bedingt lösen. Aber Portionsdiät bedeutet wenigstens: Schluss mit den falschen Versprechungen wie X Kilo in y Wochen – wobei x meist größer als y angegeben wird.
Die Desinformation ist quasi grenzenlos: Eine lausige Diät-Anleitung ist angeblich von der Mayo-Clinc entwickelt worden, kursiert immer noch unter dem Namen “Mayo-Diät” und wird ernstlich etwas mit der Brigitte-Diät verglichen, im Bemühen, “die beste Diät” zu ermitteln. Von anderer Seite wird gefordert, keine Diät einzuhalten, aber erklärt, welche Lebensmittel genießbar sind und welche nicht, was zwar eine Ernährungsvorschrift ist, aber plötzlich keine Diät sein soll.
Parallel gibt es “Fälle”, bei denen die Gewichtsproblematik nur vorgeschoben sein kann:
Ich bin 49 Jahre alt, 162 groß und wiege 61 Kilo. Mein Wunschgewicht seit etwa meinem 45 Lebensjahr: 58 Kilo.
Das sind natürlich Lappalien und Läppereien – aber sich damit herumzuschlagen bindet Lebensenergie, die für wichtigeres sinnvoller zu verwenden wäre. um Beispiel für die wirklichen Probleme und Konflikte, die sich hinter solchem Geblödel verbergen.
Wo das Abnehmen ernstlich sinnvoll wäre, verordnet der Arzt es eher nicht, weil er den Aufwand scheut, den Patienten dabei zu begleiten oder das auch gar nicht kann: Man muss sich unter Umständen die eigene Diät selbst aussuchen und selbst verordnen.
Die Portionsdiät-Gleichung: “X Kilo abnehmen durch die Portionsdiät ergibt das eigene Normalgewicht” lässt sich auch so übersetzten:
Eine gesunde Lebensweise vorausgesetzt, verschwinden auch die Gewichtsprobleme.
Wo heute von ganzheitlichem Verständnis des Menschen, achtsamer Lebensführung und – wie lange eigentlich schon – bewusster Ernährung und ausgleichender Gymnastik geredet wird, als hätte man die tollsten und frischesten Erkenntnisse zu vermitteln, wird tatsächlich nur altes Wissen vernichtet oder bruchstückhaft ausgeschlachtet.
Aber ohne Respekt für dieses “ursprüngliche” Wissen, unsere kulturellen Wurzeln, ist weder achtsame Lebensführung noch (Selbst-) Erkenntnis möglich.
Während die Pseudo-Wissenschaftler und Diät-Päpste nicht zugeben, wie wenig sie an wirksamen Veränderungen bei ihren Klienten bewirken, können die “Klienten” über die falschen Versprechungen hinweggehen und, gewissermaßen ernüchtert, was die eigenen (Diäten) -Irrtümer betrifft, die eigene Richtung, ihren eigenen Weg finden.

Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das,
was wir dafür bekommen,
sondern das, was wir dadurch werden.
John Ruskin
Stichwörter
**Krankheit als Konflikt, **Individuelle Erfahrungen und Lösungen, **Defizit, **Cholesterin, **Stress, **Glück, **Lebensregeln, **Prinzipien

23. März 2012 um 10:39 Uhr
Die Welt der Diäten ist nun wirklich eine Welt für sich: Yo-Yo-Effekt etc pp sind ja Dinge, von denen Generationen von Frauenzeitschriften leben zu können scheinen.
Zitat K. Beikirchner,
http://www.beikircher.de/artikeldetailseite.php?id=31