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Bittere Aschermittwochs-Wahrheit – das leckere Fasten

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Er glaube ja, er könne sich daran gewöhnen, sagt er, und das vor laufender Kamera, die allerdings dann auch seinen Gesichtsausdruck aufnimmt, als er einen grünen, bitteren Smoothie schlürft.
 Allerdings verschwindet die angewiderte Mimik auch wieder, und alsbald glaubt Sebastian Korff, dass er sich daran (den Geschmack des Bitteren)  gewöhnen wird.
Das wäre vielleicht die Gelegenheit, über Lügen und Halblügen nachzudenken, über Diätlügen auch, die ja vielleicht der eigentliche Grund sind, der manchen von uns den Abnehmerfolg vermasselt hat.
“Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit” hieß es 1973 bei André Heller, und zwar, “weil die Wahrheit so verlogen ist”.
Das ergibt aussagelogisch gesehen zwar keinen Sinn, drückte vielleicht aber ein verbreitetes Unbehagen aus,

 und Walter Ulbricht hatte am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz in Berlin diese Worte in die Welt gesetzt:“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!”

So gesehen, war das Mäuerle völlig unbeabsichtig, versehentlich vielleicht entstanden, aber egal – Bestand hatte sie ja nicht, und Lügen haben kurze Beine.
Die Wahrheit  ist aber genauso dackelhaft: Was Norbert Blüm (“ich wiederhol mich schon mal, wenn ich viel trink’”) eigentlich hatte sagen wollen:
“Die Rente ist mir sicher”
ist doch ziemlich doof, wenn man an all die Rentner, die in  Altersarmut leben und geraten werden,  denkt. Die muss, wer je ein öffentliches Amt bekleidet hat, ja nicht befürchten, ergo wird sie selten bedacht.
Ein Essay mit eindeutig theologischer Handschrift gibt es noch vom Deutschlandradio:

Über Lügen und Wahrheit-Sagen

Demnach wurde Lügen auch schon als “… elementares Vermögen des Menschen … soziale Wirklichkeiten zu entwerfen” verstanden – oder missverstanden?

“Nietzsche: “Beim Menschen ist die Täuschung, das Schmeicheln, Lügen und Trügen das natürliche Bühnenspiel. Vor anderen – und vor sich selbst.”"

Was den Smoothie betrifft, konnten wir Sebastian Korff das Lügen an der Nasenspitze ansehen – er hat ja auch kaum Anstalten gemacht, sich zu verstellen.

Der Entwurf der sozialen Wirklichkeit – “Makellos leben, fasten in der Fastenzeit, physische und psychische Entgigftung & Katharsis” braucht aber auch den Mut, das zu sagen, was man denkt, fühlt und schmeckt.
Ansonsten landen wir schnell bei der “strukturellen Lüge”,

“… in einer Welt, wo der Schein mehr gilt als das Sein. Wo das “Falsch Zeugnis – Reden” als normal empfunden wird. Ja, beinah als unverzichtbar gilt für den Erfolg im wirtschaftlichen und politischen Alltag.
… Und wenn …  jetzt dieses Lügen überhand nimmt im Privatbereich, dann ist das in meinen Augen ein Symptom, dass unsere ganze Welt verlogen ist.”

Mehr zum Thema (“Alles Lug und Trug, Schleim und Seim”) findet ihr bei Bedarf im oben verlinten Radiobeitrag. Es kann ja sein, dass wir wirklich die Wahrheitsorientierung “verloren” haben, es kann auch sein, dass wir wieder zur Ehrlichkeit finden.

Um auch das noch ganz ehrlich zu sagen: Bei dem, was der Radiomoderator da herumfastet und -faselt, vermisse ich doch die Sinnhaftigkeit.

 

Liebe LeserInnen,

 

bevor Ihr Euch Gedanken macht, ob dies ein ernst oder unernst gemeinter Artikel ist: Er bezieht sich auf die Diätlügen-Problematik, die in der Artikelserie mit Annelie Schmidtchen angesprochen wird, und diese Serie ist “Kitchen-Fiction”. Die Diätlügen sind allerdings völlig real.

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