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20.000 Diätlügen und ein Vorurteil

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 ”Jura hätte ich studieren sollen, der richtigen Partei beitreten, hier und da noch etwas Karriere, ein Jahr Volkswagen-Vorstand, und  Feierabend…”

Um 12 oder 13 Millionen reicher könnte sie sein, täglich Trüffeln essen und sich auf einer kleinen Kreuzfahrt amüsieren, statt hier im ungemütlichen Rhein-Main-Gebiet Rezepte für eine nachhaltig orientierte englische Volksbank/Großbank zu selektieren…

Das war Annelies Reaktion auf einen Tweet des “verifizierten Martin Schulz” gewesen:

Exzesse bei Managergehältern zu begrenzen, hat nichts mit Neid, aber sehr viel mit Respekt und Gerechtigkeit zu tun.

Annelies Groll richtete sich gegen Hohmnann-Dennhard. Die SPD-Frau mit “Dr.” hatte in einem Jahr mehr als eine Mio. monatlich verdient – gemacht, besser gesagt. Ob sie das Geld verdient hatte, wird ja bezweifelt.

Geneidet wird es auch, aber “ein gesunder Neid gehört zum Geschäft…”
Klar, die amerikanische Justiz hätte “unseren” Volkswagen-Konzern dem Erdboden gleich machen können, hatte eine Juristin gebraucht, die einen Kompromiss “aushandeln” würde – und gefunden. Die hatte sich dann nach dem Job einvernehmlich von Volkswagen getrennt, ohne im Geringsten die Interessen der deutschen, europäischen Kunden nach Schadensersatz wahrzunehmen, und Annelies Passat-Diesel war dank Diesel-Gate nur noch die Hälfte wert…

“Da investierst Du Dein Geld in eine Kutsche mit Plakette und Umweltsiegel, Dir wird weisgemacht, Du hättest ein Stück zukunftsfähige Technologie erworben, aber auf der Autobahn schaltet das Ad-Blue auf Zero-Blue und Du pustest denen, die Du überholst, mehr Stickoxyde in die Atemluft, als ein 30-Tonner emmittiert, Millionen Menschen sterben wegen schlechter Luft, und der VOLKS-Wagen-Vorstand nickt das alles ab. Da gäbe es viel zu entschädigen, aber wir werden kalt enteignet…” war Annelies Fazit.

“Aber das gilt ja für die gesamte deutsche Automobilbranche, dass sie nur noch die Hälte wert ist, Wert verliert, Qualität hat nichts (mehr) mit Marken zu tun, bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest schneiden sogar viele #Kinderwagen-Modelle schlecht ab – auch die teuren”: So weit meine Antwort, und was das Rezepte-auswählen betreffe, ihren Aufgabenbereich, wollte ich Annelie gerne behilflich sein, deshalb hatte ich etwas vorbereitet:

 

Das eiweißreiche, probiotische Banker-Frühstück

Thematisch hatte ich Annelie damit vom heiklen Thema weggeführt, und prompt kam auch die Erläuterung zum Bankerfrühstück, die ich erwartet hatte:

“Ein Vollkornbrötchen bildet die sättigende, ballaststoffreiche Grundlage bei diesem Frühstück, das mit irischer Butter eine omega-fettsäurereiche  langanhaltende Energie bereitstellt, mit Kräuter-Quark und Bergkäse gesunde Eiweiße liefert,  weil Zaubersauce und rotes Sauerkraut die probiotische Komponente manifestieren, wird die Palliativmedizin überflüssig und das Gesundheitsbudget  geschont: Langlebige Mitarbeiter leisten langfristig mehr. Das Frühstück, wenn mit Earl-Grey-Tee oder Malzkaffee kombiniert, entspricht den Leitlinien der DGE”.

“Dein elaborierter Sprachstil lässt die Soziologin erkennen”, merkte ich an, aber Annelie meinte, daran wolle sie jetzt auch nichts mehr ändern, sondern weitere Rezeptbeispiele sehen. Trotzdem ermahnte ich sie noch, doch bitte nicht gegen eventuelle Health-Claim-Verordnungen zu verstoßen – ich wünsche ihr nicht die Bankenaufsicht an den Hals, aber mit einem “Papperlapap – lass lieber noch etwas mit Rotkraut sehen” wischte sie meine Bedenken vom Tisch.

 

Rotkraut und Kartoffelbrei nebst verhindertem Hackbraten

“Was dem Rezept nicht anzusehen ist, ist, dass es sich hier um einen Tüten-Kartoffelbrei handelt, wenn auch mit dem “Bio”-Präfix.  Die Industriekartoffel wird mit Hilfe von mehr oder weniger massivem Chemieeinsatz geschält – schonender ist natürlich das Schälen von Hand, wenn auch teurer. Letztlich ist das alles eine Frage des Budges – auch bei den Frikadellen können sich Zehntelcent-Beträge ganz nett aufaddieren – vom Zusatz frischen Weckmehls aus altbackenen Brötchen schmeckst Du jedenfalls nichts.  Beim Hackbraten-Teig hatte ich aufs Ei verzichtet, deshalb drohte er auseinanderzufallen, und so kam es zu den Frikadellen.”

Annelies Gesicht drückte Zweifel aus, aber Zweifel an ihrer Integrität befielen mich auch, als ich sah, was sie da an ihr Revers geheftet hatte.
Sie bemerkte, wovon ich meinen Blick nicht lösen konnte und erklärte: “Ach das – das trage ich im Rahmen einer Studie zur Vorurteilsforschung. “Reversed Prejudice”, “Schande und Schandmale im öffentlichen Raum”.
“Ah ja, na klar: Frei nach dem Motto “Das kalte Herz der Hauptstadt, Vergangenheitsbewältigung und Betonstelen? Willst Du jetzt erforschen, inwieweit ich vorurteilsbehaftet bin? Ein Verfechter der rechten Leitkukltur? Damit kann ich nicht dienen – und bin stolz drauf!”

Annelie bat mich, wieder auf den Teppich zu kommen, die Studie sei ja auch als Langzeitstudie ausgelegt, und mit ersten Ergebnissen sei erst in 200 Jahren zu rechnen – wenn denn wenigstens künftige Generationen aus der Vergangenheit – also von heute aus. aus der Gegenwart lernen wollten – Nachhaltigkeit müsse nun mal langfristig gestaltet werden, und die Global Collecting & Entrusting Bank (GCEB) habe nun mal kein Interesse an einem frühzeitigen Ende…

 

Das Vorurteil als Forschungsgegenstand

“Klar, ehrlich währt am Längsten”, sagte ich, und sprach die Verwandtschaft von Vorurteil und Lüge an, und dass wir diesem Zusammenhang ja auch in der Diät be-gegenen, wenn “die Presse” uns mal wieder damit konfrontiert, womit wir belogen würden:

Es ist ziemlich bedeutungslos, was hier unter den “20 größten Diät-Lügen” aufrgelistet wird, es handelt sich um

  • Spiegelfechtereien,
  • das Herunterbeten eines “Ich glaube an die Wahrheit in der BILD-Zeitung”-Glaubensbekenntnisses,
  • die Hoffnung, hinter den Lügen gebe es eine Wahrheit, die nur noch zu heben sei,
  • Halbwahrheiten,
  • Unwahrheiten,
  • verschwiegene Wahrheiten,
  • Hungern mit System,
  • Kampf gegen Winmühlenflügel,
  • Lügen und
  • Vorurteile.

Annelie fand es “zu viel verlangt” und also unfair, dass ich ihr den Link zu “Diät und Vorurteil” zum Lesen angeboten hatte. In ihren Fachkreisen hatte man sich vielleicht mit politischen Ressentiments und der Funktion des Vorurteils in der faschistischen Massenpsychologie beschäftigt – nur wenig allerdings mit der Frage, wem das Vorurteil nutzt.

“Dem Einzelnen nutzt das natürlich eigentlich gar nichts, denn wozu ist schon Verblendung gut? Wenn Du die Massenpsychologie ansprichst – der Mensch ist doch – biologisch – auch Herdentier, Mitläufer, Massenwesen, Lemming,  fühlt sich im Stadium wohler als bei einsamen Entscheidungen in der Vorstandsetage, aber der “Nutzen” des Vorurteils ist geringer als die bestimmenden Funktionen des Systems”,

meinte Annelie, aber, da sie somit nur dem Zusammenhang von Diätz und Vorurteil ausgewichen war, kam von mir nur eine lapidare Antwort:

“Soziologisch lässt sich Vieles mit “Systemerfordernissen” erklären, wenn Ihr nicht mehr weiter wisst”

- Ich hatte mir durchaus Mühe gegeben, das Gespräch weiterzuführen, auf dieser Ebene mochte Annelie aber nicht mehr mitdiskutieren. Vielleicht würde das bei einem späteren Treffen möglich sein – “Hungern mit System”, das hatte ich intuiv begriffen, war Annelie auch nicht fremd.
Nach “Friede, Freude, Eierkuchen” war mir jetzt allerdings nicht zumute, und so sagte ich:

“In 55 Jahren – vorausgesetzt, Du nutzt tägliche eine neue – kannst Du 20.000 Diätlügen verbrauchen, ist das nicht anstrengend? Kann es nicht sein, dass gerade dadurch ein Überdruss entsteht, ein Missmut und ein Defizit an Lebensfreude und Glück? Plakativ gesagt:”

“Also sollten wir das fortführen – “… und alles tun, um sie zu behalten”, zum Beispiel”, meinte Annelie, und bei mir kam das Gefühl hoch, es sei ihr nur ums “letzte Wort” gegangen.

 

Liebe LeserInnen,

mit Annelie Schmidtchens Kitchen-Fiction habt Ihr ein neues Format der Diät-Unterhaltung entdeckt – Politik und Leiblichkeit, mit Farbfotografien leckerer Lebensmittel zum Abnehmen garniert, Geschichten, die sich um Lebensmittelklarheit und Aufklärung ranken, unter dem Banner des Selbstbestimmungsrechts auf dem eigenen Teller. Die sogenannte “Zaubersauce” harrt immer noch ihres Coming-Outs, und die polit-ökonomische Entwicklung in der Welt beeinflusst die Welt ihrer Banker-Kantine nach wie vor.

Die Artikelserie wird fortgesetzt!

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