schmittschen-artikelbild

Schnittchen für Frau Schmidtchen, die jetzt Ballast abwirft

| Keine Kommentare

Frau Schmidtchen ist eine reizende Dame, lebenslustig und übergewichtig, aber nicht korpulent. Vor allem hat sie unglaublich wache, blitzende Augen – also ein schönes Gesicht, das von ihrem noch überwiegend schwarzhaarigen Lockenkopf eingerahmt ist, frische Bräune vom Winterurlaub, dezente Ohrringe, auf Schminke verzichtet sie, oder setzt sie nur ganz dezent ein…

Und jetzt geht es bei ihr

“… nicht nur um ein paar Kilo, sondern merklich, messbar, nachhaltig will ich abnehmen -  mit dem Hotelbuffet hat das natürlich nicht funktioniert, das funktioniert auch nicht mit meiner eigenen Kocherei und Nascherei, und was der Partner auf den Tisch stellt, wenn er mal was auf den Tisch stellt – ich will ja nicht nörgeln, meckern oder dauernd kritisieren…”

Was soll ich da noch sagen? Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Und ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

Jetzt geht’s los!

“Das sieht aus wie Schichtkäse mit etwas Grünem”, meinte Annelie, und wollte wissen, wie viel Fett der enthält.

Eine gemeine Frage – darauf hatte ich gar nicht geachtet, musste also die große Darstellung aufrufen, und sagte, “Das geht schon in Ordnung, eine Bechamel-Sauce ist deutlich fetter – hier haben wir einen eher fettarmen Schichtkäse, zudem von glücklichen Kühen – jedenfalls hat die niemand lila angemalt.”

Annelie Schmidtchen war beruhigt, wollte aber noch wissen, was “Das Grüne, das so aromatisch riecht” ist – “war” müsste ich inwischen schreiben, denn es ist definitiv weg, inzwischen, das

 

Pesto 2.0.

Pesto im Hause zu haben, ist ja praktisch – denn Nudeln sind eigentlich auch immer da. Pesto war auch praktisch, als es darum ging, “Grünzeug” vor dem Verderb zu retten, konkret: Thymian und Petersilie zu verbrauchen. Für das Abzupfen der Thymianblättchen hatte ich gefühlt eine halbe Stunde gebraucht, die dann mit den Petersilieblättchen in Oliven- und Rapsöl gemixt/püriert. Zwei Walnüsse waren noch dazugekommen, auch zwei Shitake-Pilze, nach wässern und kurzem Kochen, Salz und “Bergkäse” aus dem Discounter – Herr Albrecht allein weiß, auf welchem Berg der geerntet wird.

Das Pesto würde bei den Schnittchen noch eine Rolle spielen – ungefähr, wie die Petersilie eine Bedeutung für die Kürbissuppe hat; das (vegane) Rezept überzeugte Frau Schmidtchen, die noch auf ihre Schnittchen warten musste, sich aber die Fotodatei zur Kürbissuppe in ihrer Cloud speicherte, um sie für einen Lebensmittel/Rezeptekalender “2018 – und Du (b)is(s)t gesund” zu verwenden.

 

Bei der Gelegenheit zeigte ich Annelie auch noch die ihr zugedachten

Schnittchen

kreisrunde Scheibchen von gebackenem Teig mit etwas Tomatig-käsigem überbacken - wenn es keine DIN- oder EU-Norma für Pizza gibt, ist das hier auch Pizza!

Sie fand das Bild nicht gut. Wenn doch wenigstens zu erkennen wäre, wo das Pesto geblieben ist…

Am liebsten hätte ich gesagt:

“Das Pesto ist auf der Pizza – und war auch schon mal auf einer anderen Pizza, aber ich fotografiere nicht alles, was ich so mache – es muss doch nicht alles im Leben zum Stress ausarten!”

Annelie wusste wohl gar nicht, wie anstengend sie sein kann.  Sie wusste auch nicht, dass ich das Pesto schon einmal auf Pizza verbacken hatte, hatte keine Kenntnis von meinen weiteren Plänen mit Pesto und Schichtkäse – aber, dass ich ein Marmeladenglas (ehrlich gesagt, ein Viertel eines Einmal-Marmeladenglases) an die örtliche Selbsthilfegruppe “Neues Essen mit Tradition und Fortschritt” gespendet hatte, fand sie auch nicht gut, meinte, die Tradition sei fortschrittlicher als der Fortschritt, kritisierte Politik und Wirtschaft, die gewissenlos Ressourcen verschleuderten – ein Pfand-System für Marmeladengläser sei überfällig, Gelee in Pappe oder Plastik  würde die nächste Entwicklung, mit der wir unsere eigenen Gräber schaufelten, und

 

Linsen-Bolognese mit Pesto-Schichtkäse auf saftig-knusprigem Roggen-Pumpernickel

sei “grenzwertig”, ein Rezept brauche einen Namen, der kurz und knackig sei – ob ich es nicht ein bisschen einfacher hätte?

“Hm, ja, vielleicht, eigentlich nicht!”

Mir war die Lust vergangen, weil Annelie meine Schöpfung nicht gefiel. Umgekehrt hätte ich natürlich gleich die narzisstische Störung erkannt. Aber was hat Essen schon mit Psychologie zu tun…

 

Keine zwei Wochen war es her, dass ich das Konzept der Schnellpizza mit vorgefertigtem Boden (mit Pita-Brot als Pizza-Brot) von einer US-Seite abgekupfert hatte, um das jetzt auf westfälische Pumpernickel zu übertragen, und durfte mir jetzt sagen lassen, dass der gewöhnliche Fankurvenbesucher in der Commerzbankarena keine vegetarisch überbackenen westfälischen Pumpernickel, sondern eine Deutsche Bratwurst und ein regionales Bier wünscht.

 

Ich muss das wohl erklären: Anne ist Vorsitzende des Toleranz- und Fairnessausschusses des Eintracht-Fanvereins, seit über 30 Jahren im Fußballfieber – jedenfalls, wenn die Eintracht spielt.

Kontrollieren kann und will sie das nicht – also hat sie versucht, das Beste aus ihrer Neigung, in die Masse einzutauchen, zu machen. Und unter “mitmachen” versteht sie nicht, sich herauszuhalten. “Bier-Kalorien sind keine gewöhnlichen, aber “Ungewöhnlich” kann auch ansetzen” – das ist einer ihrer Sprüche…

 

Beim Senf kommen wir also noch auf einen Nenner, bei den Schnittchen nicht.

 

Wenn Annelie meine Schnittchen nicht will, will sie nicht. Sie hat auch bis jetzt noch nicht gefragt, wie das mit der Linsen-Bolognese gemacht wird. Andererseits: “Linsen-Bolognese” ist ja eigentlich bekannt. Ich habe längst schon ein Rezept dazu veröffentlicht, als Nachtrag zu “Beluga-Linsen”. Also!

 

“Kitchen-Fiction”: In der nächsten Folge der Küchen-Fiktionsreihe mit Annelie  Schmidtchen geht es um Linsen-Schichtkäse-Lasagne, Damenfußball und Zaubersauce. Verpasse nichts! Solange es die Serie gibt – lies mit, wenn es heißt “Frau Schmidtchen wirft Ballast ab”!

 

Verwandte Artikel::

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*