„Die Methode ist in Wirklichkeit die äußere Seite des Bewußtseins, das sich in Handlungen ausdrückt” (Paulo Freire). (Quelle)
Bei der Frage “Wie soll ich am besten abnehmen?” ist die Frage nach der Methode gleich mitgestellt. Etwa
- Abnehmen mit Aquajogging?
- abnehmen durch Kohlenhydrateinschränkung?
- Abnehmen mit der Dukan-Diät?
- und so weiter
Antworten werden entlang vorhandener Modelle gesucht – und es dauert, bis diese als tauglich oder untauglich erkannt werden (Versuch und Irrtum).
Dem Zitat zufolge – und deshalb ist es hier aufgeführt – hängt die “Wie-Frage” mit dem Bewusstsein zusammen, liefert das Bewusstsein die Handlungsanweisungen.
Führen unsere Handlungen nicht zum gewünschten Erfolg, könnten wir auch beim Bewusstsein ansetzen:
Ist es richtig oder falsch, eine Tafel Schokolade als “Betthupferl” zu benutzen? Die Antwort ist für jedes wache Bewusstsein klar, und dennoch gibt es Handlungen, die sich im Gegensatz zum Urteil des wachen Bewusstseins verhalten. Was da abläuft, ist relativ klar: Solche Durchbrüche geschehen bei herabgesetztem Bewusstsein.
Auch unterlassene Handlungen (also der ausgefallene Waldspaziergang, das Auqua-Jogging, an dem man nicht teilgenommen hat) hängen mit Gegentendenzen zusammen: Das Bewusstsein ist nicht alleine, es gibt noch mehr oder weniger ungewusste Tendenzen, die mitregieren wollen:
Ängste zum Beispiel können lähmen: “Wenn ich im Wald spazieren gehe, könnte ein Baum umfallen und mich töten”. Das war ein Beispiel für irrationales, das relativ leicht auszuräumen ist.
Die Angst, alleine zu sein, kann dazu führen, dass man Methoden wählt, die alle wählen (Herdentrieb). Dann richtet sich die Wahl der Methode nach der Masse, und nicht nach dem eigenen Bewusstsein, das eigentlich die Realität sollte prüfen können.
“Das Bewusstsen” muss also zuallererst mitberücksichtigen, dass es vielen äußeren und inneren Einflüssen ausgesetzt und gar nicht so unbedingt unabhängig ist. Dazu gehört das “Lustprinzip”, das sofortige Bedürfnisbefriedigung ohne Aufschub (der meist durchaus lohnend sein kann) verlangt. Die Methode kann darauf ausgelegt sein, derartige Einflüsse zurückzudrängen – wenn man sie denn auch anwendet.
Methodisch und systematisch vorgehen heißt, sich an Regeln zu halten, nachdem man geprüft hat, ob die Regeln sinnvoll sind (denn natürlich werden auch sinnlose Regeln aufgestellt, oder Regeln, die zu komplziert sind).
Das Bewusstsein, dass “wenn ich nichts ändere, ändert niemand etwas, ändert sich nichts und bleibt alles, wie es war oder wird schlimmer” kann ein Anfang sein. “Um etwas zu ändern, muss ich in den (sauren?) Apfel beißen und mich an bestimmte, neue Regeln halten” – das ist schon der zweite Schritt.
Weitere Schritte können sein: Gewisse Vorlieben zu überwinden.
Eine erwachsene Diabetikerin sagt: “Was habe ich denn noch auf der Welt – das bisschen Genuss will ich mir nicht auch noch selbst wegnehmen!”
Vielleicht hat ihr aber schon der Arzt gesagt, dass sie, wenn sie zehn Kilo abgenommen hat, auf die meisten Medikamente verzichten kann. Und zum Abnehmen wird sie nie vordringen, solange sie ihren Konsum an Süßigkeiten nicht einschränkt.
Beim Raucher, der sein Laster nicht aufgeben mag, hören wir auch solche Dinge: “Ich gönn’ mir ja sonst nichts, gehe in kein Theater, kein Kino…”. Der Denkfehler wird hier schon etwas deutlicher.
Die Frage: “Was habe ich denn noch auf der Welt?” ist aber trotzdem nicht schlecht…
