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Handbuch Abnehmen, Kapitel 5: Die Feministische Diät

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Kürzlich habe ich eine Liste gefunden, in der eine Jung-Bloggerin anderen BloggerInnen Anregungen vermittelt, worüber sie bloggen könnten – so etwas ist doch erfreulich ;-)

Mein Lieblings-Tipp für Blogger ist #44:

  • Schreibe eine Anleitung.

Nun ist das Anleitungen-Schreiben im Bereich “Abnehmen” (und Diät) doch nicht mehr so ganz einfach, denn es kann schnell so kommen, dass dabei eine Anleitung herauskommt, auf die niemand Lust hat. Außerdem sind Diäten  verdächtig; um das “Abspecken ganz ohne Diät” hatte sich vor einer Generation “der Feminismus” zu kümmern begonnen:

Feministisch Abnehmen

Kürzlich war Weltfrauentag, und bei den gleichzeitigen Hessischen Kommunalwahlen hielten die Frauen sich zurück – die geringe Wahlbeteiligung lässt den Schluss zu, dass Frauen sich zwar engagieren mögen, aber nicht politisch.

Susie Orbachs “Anti-Diätbuch” , original “Fat is a Feminist Issue” (1978), erschien 1979 im Verlag Frauenoffensive. … 1975 [schien] … die alte Gesellschaftsordnung … zusammenzukrachen – und erwies sich als langlebiger als befürchtet. Ich ging jedenfalls 1979 nach Wien, nahm erstmals an diversen Studenten- und Frauendemos teil (bei denen zu meinem Bedauern keine BHs mehr verbrannt wurden) und entdeckte im Frauenbuchladen das druckfrische “Anti-Diätbuch”.

Bedenkt man die bis dahin vorherrschende Theorie, dass Übergewicht ganz einfach mit Willen und kaloriereduzierter Ernährung zu bekämpfen sei (Hallo Brigitte-Diät, Atkins-Diät, Mayo-Diät, Punkte-Diät……), so stellt Orbachs Ansatz eine revolutionäre Neuerung dar. Sie war die erste, die Frauen riet, in Ernährungsfragen auf die Bedürfnisse ihres Körper zu vertrauen.

Die Psychotherapeutin und ehemalige Esssüchtige

beschreibt … zunächst, was Dicksein und Schlanksein für Frauen bedeutet. Völlig neu waren dabei ihre Hinweise, dass Dicksein nicht nur Abwertung und Ablehnung, sondern auch Macht und Selbstbehauptung bedeuten können. Im Kapitel über Hunger und Essen zeigt sie Grundtypen des Essverhaltens und formuliert folgende Ewige Worte: ” Es geht hauptsächlich darum, dass du dir durch das Essen etwas Gutes tust……… Mach dir keine Sorgen über feste Mahlzeiten oder ausgewogene Gerichte. Wir halten nicht viel von den Vorstellungen über gute und schlechte Ernährung. Wir sind davon überzeugt, daß unser Körper uns mitteilen kann, was wir am besten essen, wann unsere Ernährung ausgewogen ist und wie wir abnehmen nönnen.” (S. 102).  Amen, Schwester.

“Danke, Schwester!” möchte ich fast sagen bei diesen Worten und muss auch darauf hinweisen, dass ladywilhelmina, die die Orbach-Thesen zusammengefasst hat, nicht so recht an die Idee vom Körper, der nach all der Gewöhnung an industriell verstärkte Geschmäcker irgendwie schon wissen wird, was ihm guttun wird, glauben mag.
Rauchen und gewisse Formen des Drogengebrauchs würde ich mir in diesem Zusammenhang gerne mal von Susie Orbach erklären lassen.

Mag sein, dass sie von A. S. Neill “Antiautoritärer Erziehung” inspiriert war – der Schüler wird schon selbst wissen, was er lernen will und, ausgestattet mit antiautoritären LehrerInnen, grenzenlose Kreativität und ein empathisches Verständnis für seine soziale Umwelt entwickeln…

Wenn das zutrifft, kann auch der Körper – im Sinne der Selbstregulation – selbst wissen, was er braucht.

Andererseits gehört hierzu auch eine gewisse Übung – beim automatischen Schreiben ist das jedenfalls so.

 

Aber wenigstens

Der verstehende Zugang zum Übergewicht

könnte fruchtbar sein.

http://geneenroth.com/2015/04/08/the-cookie-burglar-stop-binge-eating/

Geneen Roth, US-Autorin, erzählt auf ihrem Blog die Geschichte einer Frau, die, um sich am nächtlichen “Fressen” zu hindern, die Cookies “hinter Schloss und Riegel” brachte, also wegschloss, ihrem Mann die Schlüssel gab, damit sie nicht an die Süßigkeiten herankomme, und nachts die Sachen ihres Mannes durchwühlte, um wieder an die Schlüssel zu kommen, sich dabei wie eine Diebin fühlte, sich jedenfalls nicht von einem Vorhängeschloss aufhalten ließ.

Nun, als richtige Autorin in der Nachfolge von Susie Orbach weiß Roth Rat:

Es handle sich hier nicht um sinnloses, willenloses Verhalten, auch nicht um den Willen, dick zu sein, sondern lediglich um vorläufig unbekannte, starke, “berechtigte” Gründe, sich auch ohne Hunger dem Essen zuzuwenden…

 

Funktionen des Fressanfalls

Take a moment right now. Consider these three questions:
How is my apparently crazy eating benefiting me?
If I were eating for Welche wirklich good reasons, what would those reasons be?
And finally, if my weight/bingeing could talk, what would it say?

Auf Deutsch und frei übersetzt:

  • Was soll der Quatsch, was habe ich davon?
  • Welche wirklich guten Gründe, zu essen kann ich überhaupt benennen?
  • Und schließlich: Was würden mein Übergewicht, meine Fresserei “erzählen”, wenn sie eine Stimme hätten? (Oder auch: “Ey, was sagt mir das/was will uns das sagen?”)

Ein bisschen klingt hier die These vom “sekundären Krankheitsgewinn” durch, davon abgesehen spricht das Übergewicht vielleicht tatsächlich eine deutliche Sprache, erzählt von unerfülltem Leben, unerfüllten Wünschen, Langeweile, Kränkungen, Traumata, Urängsten, sekundären Ängsten, Blockaden, Gruppenzwängen, unwiderstehlicher Esslust?

Wie auch immer, die Arbeitshypothese lautet: “…  in order to stop the bingeing, we have to address how it is helping, not hurting you. …  what we do really does make sense.

Unsere Handlungen sind “… expressions of our brilliance at getting our needs met.”

“Welche Ziele?” – das ist nicht immer ganz leicht zu beantworten, muss also erst entschlüsselt werden, wenn die Sprache des Verhaltens “symbolisch” zu verstehen ist.
Die Schokolade hinter Schlössern zu verschließen, hatte den Sinn, eine nette nächtliche Aufgabe zu haben: Mit Haarnadeln Schlösser zu knacken, Schlüssel zu suchen. Das wirkliche Bedürfnis der Schokoholikerin war aber nicht wirklich Schokolade (und einen Mann hatte sie ja auch), sondern, wie bei Trude Herr das Singen.

“Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann” war also nicht das eigentliche Thema, das eigentliche Bedürfnis war der Auftritt. So viel zum Thema “Was Frauen wirklich wollen”.

Geneen Roth lässt uns dann noch wissen, dass sie, in einer kritischen Phase ihres einstigen Übergewichts, einen Dialog mit ihrem Fett verfasst hatte – ein “Zwei-Personen-Stück”, oder eine Selbstanalyse; ich gebe das mal weiter, als “Anleitung ohne Anleitung” sozusagen, wer das nachvollziehen kann und damit zurechtkommt, möge  hier bitte in einem Kommentar berichten.

Roth kam, zusammenfassend gesagt, darauf, dass ihr Fett sie vor unglücklicher Liebe schützte – ihr Problem, “… getting involved with unavailable men and then making it my life’s work to convince them to love me” ist beseitigt…

Sie fing nach ihrer Selbstanalyse an, sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken, sich aufs Schreiben (als Autorin) zu konzentrieren, “… get my attention and I started losing weight. And buying clothes with real waists.”


 

Alle Artikel aus der Serie “Handbuch zum Abnehmen” findest Du im Artikel “Das kleine Handbuch zum Abnehmen”.

 

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