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Kräfte-Messen im Lebensmittel-Markt – Die Macht von Angebot und Nachfrage

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Über Ökonomie, Betriebs- und Volkswirtschaft haben wir im Allgemeinen ja nicht so viel gelernt, haben höchstens eine vage Ahnung, dass der Markt den Preis bestimmt – dass wir Verbraucher über unser Konsumverhalten, unsere “Nachfrage” auch das Warenangebot,  damit die Produktion(-sverhältnisse) beeinflussen, kommt mehr und mehr ins Bewusstsein.

Marokkanische Winter-Erdbeeren

Wenn schon im Februar marokkanische Erdbeeren im Supermarkt angeboten werden, und keiner kauft sie: Dann wird der Markt dieses Angebot nicht wiederholen, weil es keinen Gewinn bringt.

Vermutlich herrscht in Marokko eigentlich ‘Wasserknappheit, und von der Erdbeerenproduktion haben nur wenige etwas – zudem belasten die langen Transportwege die Umwelt, und wer so etwas kauft, dürfte sich mit den Erdbeeren eine ganze Menge  Chemie in den Magen schaufeln. Ob wir das mit unserem Kaufverhalten unterstützen oder nicht, ist schon ein großer Unterschied. Die Blog-Parade “Und wohin soll Dein Geld gehen?” vom http://www.oekoenergie-blog.at/ will auf dieses und ähnliche Probleme hinweisen.

Welchen Einfluss hat der Geldfluss der Endkonsumenten und Investoren deiner Meinung nach auf den Lauf der Welt?

ist eine der hier gestellten Fragen, und es ist eine gute Frage.

Der Einfluss der Investoren

… ist ein Kapitel, bei dem ich, wo es um Lobbyismus geht, mich lieber heraushalten möchte, Auf die  “Atomkraft-Ära” hätten wir inzwischen gerne verzichtet; da waren Kräfte, Interessen, Stimmungen und Hoffnungen beteiligt, die in der Summe viel Strom, Leid und viele Altlasten erzeugt haben.

Scheinbar gut gemeinte Investitionen – zum Beispiel Ölpalmen – zerstören Urwälder, Staudämme führen zu Zwangsumsiedlungen, die Spätfolgen wie mögliche Katastrophen werden verdrängt.

Mikrokredite, die ja auch als Investition zu betrachten sind,  können andererseits konkret helfen, aber nur, wenn das “Milieu” stimmt und eine gewisse Infrastruktur vorhanden ist.

Die Rolle der Endkonsumenten

… ist heutzutage schon bei Facebook definiert: Daumen rauf, oder Daumen runter, kaufen oder nicht, Zustimmung, Ablehnung oder Gleichgültigkeit. Bis ein Produkt im Regal steht, hat ein Label schon einiges in Produkt-Entwicklung investiert – aber dann wird es interessant oder langweilig.

Das Angebot präsentiert sich verpackt, und auf der Verpackung gibt es keine Warnhinweise, sondern Versprechungen: “Hier wird Genuss geboten”. Ob “Eiskalt und schaumig geschüttelt” wirklich gut für den Magen ist,  lassen wir mal außer acht, es geht ja um Genussmomente und Spontankäufe.

Der kritische Verbraucher könnte sich zwar fragen, was “Kultur vom Feinsten” ist und darauf beharren, dass manche Symphonie – oder ein schönes, echtes Volkslied – eher darunter zu verstehen ist, als ein Cappuccino im Plastikgefäß – aber es kommt ja auf die an, die so etwas kaufen, denn ohne Käufer kein erfolgreiches Produkt.

Ähnliches gilt für die braune Brause, die erst die olympischen Spiele ermöglicht hat., als Sponsor, so jedenfalls  die offizielle Legende, und der “Verzicht “ auf Cola fällt so leicht, wenn man guten Kaffee liebt.

Womit wir schon beim Kapitel “fairer Konsum” sind, denn Kinderarbeit wird mit diesem Label immerhin ausgeschlossen, und die Welt wird besser. Da gibt es eigentlich kein Wenn und kein Aber. Bloß ein “Trotzdem”, oder ein “Obwohl”. Obwohl wir alle wissen sollten, dass Kaffee, Schokolade, Baumwolle, Erze und Tabak – und vieles mehr – unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert und verarbeitet werden, greifen wir zum Sonderangebot und  “Billigprodukt”:

Wie groß ist der Marktanteil der “fairen Ware”? Der “mündige Verbraucher” hat entweder nicht genug Geld für eine mündige Kaufentscheidung, oder ist egoistisch genussorientiert.  Der Cola-Käufer bildet sich bloß ein, mündig zu sein und bezahlt mit einigen seiner Groschen die Werbung, die ihm das großartige Image “seines” nährstofffreien Markenprodukts suggeriert.

Genuss, Genuss, Genuss

Dass das Dingsda von  Mövenpick  nicht der absolute Kaffe-Genuss sein würde, war ja schon im Vorneherein klar. Genuss ist relativ; oft auch gar nicht für Geld zu erkaufen.  Wo immer industriell hergestellte Aromen zugesetzt werden, wird der Geschmack getäuscht und der Genussmoment verfälscht. Süß und fettig, oder salzig und fettig ist das Mundgefühl beim “Comfort-food”, und schon Babynahrung wird auf den Geschmack der vorkostenden Mutter abgestimmt. Fast-food verändert die Darmflora in ungünstiger Weise und macht süchtig. Im Sucht-Modus lautet die Devise “mehr, mehr, mehr” und Adipositas entsteht.

Bequemlichkeit

Weil “convenience” so schlecht eindeutig zu übersetzen ist, ist der Begriff “convenience food” für die Lebensmittelindustrie ideal. “Futter für die Faulen” ließe sich aber immer noch prächtig verkaufen.

Fertigfutter erlaubt auch die höchste Wertschöpfung; mit Grundnahrungsmitteln wird nicht viel verdient. Gleichzeitig sind Fertig-Lebensmittel oft so kalkuliert, dass es scheinbar nicht der Mühe wert ist, selbst zu kochen.

Die Küche als Ort der Entscheidung

Was auf den Teller kommt, entscheidet sich in der Küche – da, wo die Speisen zubereitet werden. Die Entscheidungsträger sitzen also nicht nur im Big Business, sondern auch im Privathaushalt.

Die Idee, man bräuchte zum Frühstück ein “Knusper-Müsli”, das mit Zucker und Trockenobst gepimpt ist, muss niemand übernehmen. Ist die Frage “Einfach und zweckmäßig” versus “Frühstück der Luxusklasse”, bleibt fürs Luxusfrühstück ohnehin nur Sonntags Zeit. Wenn Ernährungswissen bei der Entscheidung, was gegessen wird, beteiligt ist, sollte es auch 2 TL Leinsamen geben.

Einfach ist Luxus

“Frisch” ist übrigens auch so ein Zauberwort.  In den Kühlregalen liegen mittlerweile frische Nudeln, die besser schmecken sollen als die Trockenware. Wirklich frisch ist dieses Angebot aber auch nicht, und die Zutatenliste ist auch nicht vom Allerfeinsten.

Nudeln selbst zu machen, erfordert weniger Übung als viele andere Fertigkeiten; danach geht alles ganz schnell und einfach.

Ganz frische Nudeln mit Tomatensauce ist ein ganz einfaches Gericht zu einem “Spottpreis”, aber gleichzeitig unbezahlbar, weil nur selbst gemacht erhältlich.

Wer noch mehr Genuss will, muss sich der raffinierten Küche zuwenden und nicht den Fertigprodukten, orientiert sich vielleicht bei “slow-food” oder bei Kochblogs im Internet. Wer neben mehr Genuss noch mehr Gesundheit vom Essen erwartet, findet hier noch einige spezielle Informationen:

Kimchi ist einfacher Luxus

Kimchi ist sauer-scharf-und-fettfrei, das Gegenteil von süß und fettig  Die in Korea entwickelte, dem hiesigen Sauerkraut verwandte Gemüsespezialität ist schmackhaft, stets einmalig, probiotisch, letztlich einfach herzustellen.

Ökonomische Aspekte

Kimchi ist aber nicht mit den aktuellen Vertriebswegen von Lebensmitteln kompatibel. Der Grund: Wie beim Sauerkraut werden die Zutaten im Prozess der Fermentation von milchsauren Bakterien verändert und aufgeschlossen. Sterilisiertes Kimchi wäre nicht mehr “probiotisch”, nicht mehr so wertvoll wie “lebendiges”. Und nur sterilisierte Ware, hier “Sauergemüse” steht eingedost oder im Glas im Lebensmittelregal.

Machbar ist der Vertrieb eher im regionalen Rahmen, oder einfach: Kimchi selbst machen. Letzteres hat für den Verbraucher den Vorteil, den Mehrwert bei der Veredlung seinem eigenen Konto gutschreiben zu können; ansonsten ist es denkbar, dass bei genügender Nachfrage auch der eine oder andere Arbeitsplatz in diesem Zusammenhang entsteht; eine Frage der Unternehmenskommunikation.

In diesen Zusammenhang passt dieses Zitat aus dem Aufruf zur Blog-Parade:

Die Geldflüsse der letzten Jahre haben sich in vielen Bereichen schon massiv gewandelt. Aber vor allem deshalb, weil das Geld der Konsumenten immer stärker in nachhaltige Bereiche fließt und viele auch erkannt haben, dass es einfach notwendig ist. Um darauf aufmerksam zu machen, dass es eben nicht egal ist, wo dein Geld hingeht, starten wir den Aufruf zum Thema:

Kimchi ist auf jeden Fall sehr, sehr nachhaltig: An keiner Stelle muss bei der Produktion Wärmeenergie  aufgewendet werden, es kann regional produziert werden, ist ein fast universeller Weg zur Konservierung von Gemüse, macht unabhängig von exotischen Importen…

Gesundheitliche Aspekte

Hier muss sich jeder sein eigenes Urteil bilden, dabei bedenken, dass die Darmflora heutzutage mit hoher Wahrscheinlichkeit von Konservierungsstoffen, Antibiotika, Stress und vielen anderen Faktoren negativ beeinflusst ist, von sterilem Essen keine Inspiration erfährt, während die Zufuhr “guter Bakterien” den “schlechten Bakterien” den Lebensraum wegnimmt, sie also verdrängt. Schließlich konnte die Menschheit auch schon vor der Erfindung des Mikroskops Käse herstellen, hatte, was fermentierte Lebensmittel betrifft, schon ein gehöriges Erfahrungswissen, das sie in Zeiten der Massenkommunikation sogar interkulturell austauschen kann.

Kimchi-Genuss will gelernt sein

Wenn Neugier und die Furcht vor Neuem sich die Waage halten, ist die Chance, dass die Neugier irgendwann zum Probieren führt, ja noch gegeben. Bis zum vorbehaltlosen Genuss von Kimchi ist, so lange es ungewohnt ist, in jedem Falle ein weiter Weg. Ich kann dazu nur ermuntern.

 

Gemüse nach einem Tag der milchsauren Gärung; hier: Kimchi aus Chinakohl, Möhre, Sellerie, Gurke, Fenchel, Frühlingszwiebel, Schnittlauch, Salz, Chiliflocken, Habanero-Sauce.

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7 Kommentare

  1. Pingback: “Wohin unser Geld geht” am Beispiel Energie

  2. Der Verbraucher erwacht. Auch auf diesem Blog wie es scheint. Schon lange hadern Konsumenten vereinzelt mit den Produktionsbedingungen der hiesigen „Schnäppchen“. Doch mehr und mehr verdichten sich die Unzufriedenheitsbekundungen auch zu handfesten Bewegungen am Markt. Leider spielt dabei der Einfluss der Werbung auf Kaufentscheidungen eine immer noch sehr gewichtige Rolle. Genau das haben Sie in Ihrem Beitrag hier sehr schön aufs Korn genommen. Es bedarf eben einer gewissen, wenn auch mühseligen, Aufklärungsarbeit. So wie Sie es hier am Beispiel des Kimchi vormachen. Vielen Dank also für ermutigende Worte und lebhaft geschilderte Beispiele.

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  6. Vielen Dank für deinen Artikel! Gibts eine Chance, dass du in Wien vorbeikommst?
    glg Cornelia

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