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Haltung, Bewegung, Lebensgefühl

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Ein erfrischter Geist, bessere Laune und ein gutes Körpergefühl – das stellt sich nicht durch ein neuartiges Medikament, sondern durch eine traditionelle chinesische Übungsform, das Qi-Gong, ein. So steht es in der ZEIT:

Seit 20 Jahren schon genießt Johannes Michalak die wohltuende Wirkung von Meditation und Qigong. Doch die Erfahrung reichte dem Psychologen von der Universität Witten/Herdecke nicht. Der Wissenschaftler wollte die segensreichen Auswirkungen der Körperarbeit auf das Bewusstsein objektiv vermessen. Inzwischen belegen nicht nur Michalaks Untersuchungen: Die Art und Weise, wie wir unseren Körper bewegen, beeinflusst die Stimmung.

Stimmung und Gangmuster

Umgekehrt spiegelt sich auch die Stimmung im Gangmuster und der Körperhaltung wider, was Prof. Dr. Michalak in einem Vortragsvideo erläutert: “Über die Rolle des Körpers im Rahmen achtsamkeitsbasierter Therapieverfahren“.
So zeigte sich im Forschungslabor, dass eine “depressive Gangart” sogar Auswirkungen aufs Gedächtnis hat: Die Versuchspersonen erinnteten aus einer Reihe von Adjektiven vermehrt die mit negativem Inhalt.

Achtsamkeitsübungen (etwa die Konzentration auf den eigenen Atem im Hier)  können das “Festhaken” an negativen Gedanken oder Grübeleien vermindern; die Meditation “bietet” auch das Qi-Gong, zudem “rituelle Gangweisen”, die körperliche Konzentration – oder Körper-Geist-Koordination – erfordern und zu einer gelösten Stimmung führen – ein Aspekt, der leider weder im Vortrag noch im ZEIT-Artikel erwähnt wird.Fast alle Körperübungen werden auch mit beiden Körperhälften alternierend durchgeführt, womit ebenso beide Gehirnhälften, zuständig für Emotionale und rationale Prozesse, stimuliert werden.

Forscher von der Medizinischen Hochschule Hannover lähmten mit Botox-Injektionen die Zornesfalte an der Stirn von depressiven Menschen. Tatsächlich hellte sich sechs Wochen nach der Behandlung bei 60 Prozent der Behandelten die Stimmung deutlich auf. Und jüngst wies Johannes Michalak nach, dass aufrechtes Sitzen eine Depressionen lindert und Kauern dazu führt, sich eher negative Sätze zu merken.

 

Körper und Affekt

Die Rückkopplungen zwischen Stimmung und Körper liegen klar auf der Hand: Es sträuben sich die Nackenhaare, es schwillt der Kamm, Angst macht Gänsehaut und Kinder haben Schiss.

Respekt und Gehorsam werden auf dem Kasernenhof über die Körperhaltung eingedrillt, selbst die Art zu blicken ist vorgeschrieben. Wenn sie es schafft, lehrt die Schule erst mal Stillhalten und -sein.

Vermehrt untersuchen Kognitionswissenschaftler die Interaktion des Körpers mit der Psyche. “Ohne Körper kein Bewusstsein” ist ihr neues Credo.

Das “Neue” ist zwar eigentlich das Alte, aber das muss mühsam immer neu gelernt werden, wenn nicht von den Alten, dann im Bewegungslabor,

Das Buch “Affekt und Körper” habe ich 2002 vorgestellt, die Leseprobe ist lesenswert.

 

Affekt und Belohnung

Die Biochemie hat gezeigt, dass im Gehirn Botenstoffe ausgeschüttet werden, wenn Angenehmes, aber auch Unangenehmes geschieht. Da gibt es gar ein Belohnungszentrum, wo Dopamin (das uns “dopt”, anspornt) und Serotonin ausgeschüttet werden. Kuscheln macht glücklich, weil bei Zärtlichkeiten Oxytocin ausgeschüttet wird und Stress in den Hintergrund rückt. Aber auch Zucker wirkt wie eine Droge und aktiviert die Hormonschleudern im Gehirn – desto schlimmer der Kater, wenn der Spiegel wieder absinkt.
Das Zuckerle ist in der Tierdressur unverzichtbar – als Belohnung für gewünschtes Verhalten – für unsereins ist Belohnung meist frei verfügbar und dem Missbrauch wird wenig entgegengesetzt. Die Belohnung hat sich verselbständigt – bloß echtes Lob erfahren wir zu wenig. Anerkennung wird versagt, die Ignoranz blüht.
Aber auch Bilder und Gedanken können die Stimmung beeinflussen – dafür haben wir die “Kulturindustrie”, die meist nur Kitsch produziert, und die Konsumenten in einen wohligen oder erregten Traumzustand versetzt, zu dem Chips und Bier oder Limo trefflich passen.

Wir wissen jetzt, dass die Körperhaltung, beim Stehen, Sitzen, Gehen die Gefühle beeinflusst, gesund- oder krankmachende Wirkung haben kann. Wir werden Konfuzius nicht widersprechen, dass Wissen umgesetzt werden muss…

Auch geht es nicht nur um die körperliche, sondern auch um die geistige Haltung. Ist diese frei oder geknechtet, unterdrückt oder unterdrückend, krank oder gesund, stark oder schwach, gestärkt oder geschwächt, und was kann man tun, um “die Haltung” zu verbessern?

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der internationale Fachbegriff für das Zusammenspiel von körperlicher Empfindung und seelischem Reiz – Embodyment – war hier noch nachzutragen. Wirklich neu ist, was unter dem Begriff zusammengefasst wird, dann doch auch nicht – wie eine Zeichnung aus den “Peanuts” zeigt…
Welche Körperübungen, die die seelische Befindlichkeit verbessern, kennst Du? Wie schaffst Du es, regelmäßig zu üben, ohne Dich einem selbsterzeugten Stress auszusetzen?


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